Psychologische Beratung
Somatoforme Störungen
Was verbirgt sich hinter somatoformen Störungen?
Somatoforme Störungen beschreiben körperliche Beschwerden, für die sich keine ausreichende organische Ursache finden lässt oder bei denen die Beschwerden deutlich stärker sind, als es der medizinische Befund erwarten ließe. Die Symptome sind dabei real, belastend und keineswegs „eingebildet“.
Betroffene erleben ihren Körper als krank oder funktionsgestört, obwohl wiederholte Untersuchungen keine klare körperliche Erklärung liefern. Diese Schmerzen werden von den Betroffenen meist als noch belastender erlebt, da jedwede Erklärung zur Entstehung der Schmerzen fehlt und somit auch keine Perspektive für eine Schmerzlinderung erkennbar wird. Für viele Patientinnen und Patienten ist diese Situation besonders verunsichernd und frustrierend.
Typische Beschwerden und Belastungen
Somatoforme Störungen können sich sehr unterschiedlich äußern. Häufige Symptome sind:
- anhaltende Schmerzen (z. B. Kopf-, Bauch-, Rücken- oder Muskelschmerzen)
- Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Druckgefühle
- Herzklopfen, Atemnot oder Schwindel
- ausgeprägte Erschöpfung und körperliche Schwäche
Neben den körperlichen Beschwerden leiden viele Betroffene unter Sorgen um die eigene Gesundheit, Angst vor schweren Erkrankungen und einem hohen Leidensdruck. Oft kommt es zu wiederholten Arztbesuchen, ohne dass eine befriedigende Erklärung oder Besserung erreicht wird.
Wie häufig sind somatoforme Störungen in Deutschland?
Somatoforme Störungen gehören zu den häufigeren psychosomatischen Erkrankungen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5–7 % der Erwachsenen in Deutschland im Laufe eines Jahres unter einer somatoformen Störung leiden. Leichtere Formen körperlicher Beschwerden ohne klare organische Ursache sind sogar noch deutlich verbreiteter.
Verständnis und Entlastung
Bei somatoformen Störungen spielen körperliche, seelische und soziale Faktoren eng zusammen. Stress, belastende Lebensereignisse, ungelöste Konflikte oder langanhaltende Überforderung können sich über den Körper ausdrücken. Ein wichtiger erster Schritt ist das Verständnis dafür, dass die Beschwerden ernst zu nehmen sind – auch ohne eindeutigen organischen Befund.
Die von Hanne Seemann geprägten ganzheitlichen Denkansätze betonen, dass körperliche Symptome als sinnvolle Signale verstanden werden dürfen. Sie weisen auf innere Belastungen, unerfüllte Bedürfnisse oder überforderte Bewältigungsstrategien hin. Dabei geht es nicht um eine Trennung von „körperlich“ und „seelisch“, sondern um ein respektvolles Zusammenführen beider Ebenen.
Ein wichtiger erster Schritt ist das Erleben von Entlastung: Die Beschwerden sind real und erklärbar, auch wenn sie sich nicht eindeutig organisch messen lassen. Eine einfühlsame, integrative Beratung kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen, Symptome zu lindern und neue Wege im Umgang mit dem eigenen Körper zu finden. Ziel ist es, den Körper wieder als verlässlichen Partner zu erleben und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Dabei geht es in diesem Behandlungsansatz nicht um Psychotherapie im eigentlichen Sinne -denn es ist der Körper, der sich meldet, und die Betroffenen sind in alle Regel psychisch gesund-, sondern um eine ausführliches Beratungsgespräch. Der Körper als Kommunikationspartner möchte seinem Menschen deutlich machen möchte, dass ihm etwas fehlt oder etwas zu viel ist. Drum geht es darum den eigenen Sehnsüchten und damit sich selbst auf die Spur zu kommen und sein eigenes Leben zu leben.
Schmerzen
Was sind Schmerzen?
Schmerzen sind mehr als nur ein körperliches Warnsignal. Sie sind eine komplexe Sinnes- und Gefühlserfahrung, die den gesamten Menschen betrifft – Körper, Psyche und soziales Umfeld. Akute Schmerzen haben eine wichtige Schutzfunktion: Sie weisen auf eine Verletzung oder Erkrankung hin und klingen meist wieder ab, sobald die Ursache behandelt ist.
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn sie länger als drei bis sechs Monate anhalten oder immer wiederkehren. In diesem Fall verlieren sie häufig ihre Warnfunktion und werden selbst zur Erkrankung. Viele Betroffene erleben, dass Schmerzen den Alltag, die Leistungsfähigkeit, den Schlaf und die Lebensfreude erheblich beeinträchtigen.
Woran leiden Patientinnen und Patienten häufig?
Menschen mit chronischen Schmerzen berichten oft über:
- anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen, z. B. im Rücken, Nacken, Kopf oder in den Gelenken
- Erschöpfung, Schlafstörungen und verminderte Belastbarkeit
- Einschränkungen im Berufs- und Privatleben
- emotionale Belastungen wie Angst, Niedergeschlagenheit oder Hilflosigkeit
Nicht selten verstärken sich körperliche und seelische Beschwerden gegenseitig. Schmerzen können Stress auslösen, Stress wiederum kann Schmerzen intensivieren. Ein modernes schmerztherapeutisches Verständnis berücksichtigt daher immer den ganzen Menschen.
Wie häufig sind Schmerzen in Deutschland?
Schmerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Arztbesuche. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 17–23 % der Bevölkerung an chronischen Schmerzen. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen gehören dabei zu den häufigsten Schmerzformen. Viele Betroffene sind über Jahre hinweg eingeschränkt und suchen nach wirksamer, nachhaltiger Hilfe.
Ein ganzheitlicher Blick
Eine erfolgreiche Schmerztherapie setzt dort an, wo Schmerzen entstehen und aufrechterhalten werden. Neben medizinischen Ursachen spielen auch psychische, soziale und lebensstilbezogene Faktoren eine wichtige Rolle. Ziel ist es nicht nur, Schmerzen zu lindern, sondern auch Lebensqualität, Selbstwirksamkeit und Zuversicht zurückzugewinnen.
Was aber, wenn sich bislang noch keine ausreichende organische Ursache für die Schmerzen gefunden hat? Ärzte sprechen dann hier von somatoformen Störungen.